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DorfVision II

 

Leerstandsmanagement nimmt Fahrt auf


„Jeder Leerstand ist einer zuviel" ist das Motto des zuständigen Projektteams beim Regionalmanagementverein GießenerLand. Die Schaffung eines aktiven Leerstandsmanagements ist daher das erklärte Ziel aller beteiligten Akteure.

 

Die Ursachen für Leerstand sind vielfältig. Neben der oft beschriebenen demografischen Entwicklung und teils gravierenden Standortnachteilen im ländlichen Raum, gibt es aber auch eine parallel laufende Problemlage, die häufig zu gering beachtet wird: Der gewachsene Wohlstand begünstigt eine zunehmende Individualisierung. Mit ihr steigt auch die Mobilität und der Wunsch, sich größeren Wohnraum zu schaffen.

 

Die Kommunen buhlen um diese „Häuslebauer“, legen günstige Neubaugebiete auf und schaffen damit einen Wettbewerb zwischen den Städten und Gemeinden. Denn: Mit jedem neuen Einwohner steigen auch die Einnahmen im kommunalen Haushalt - in Zeiten der Finanzkrise und zurückgehender Schlüsselzuweisungen eine nicht zu unterschätzende Einnahmequelle.


Gleichzeitig stehen aber - durch den Strukturwandel in der Landwirtschaft bedingt - immer mehr Gebäude in den Ortskernen leer. Außerdem lassen sich viele gewerbliche und private Bauflächen nicht mehr vermarkten, was zu Bebauungslücken führt und unter anderem hohe Infrastrukturkosten nach sich zieht. Letztendlich kommt die Ausweisung neuer Bauflächen die Kommune bereits heute unter dem Strich teuerer zu stehen, als die Investition in bestehende Bebauungen. Von Leerstand betroffen sind im Übrigen nicht nur Hofreiten und Baulücken - auch sogenannte Generationen-Baugebiete aus den 1960ern und 70ern stehen in Kürze vor diesem Problem. Die Gefahr eines
Teufelskreises aus Flächenverbrauch mit daraus resultierenden möglichen Einnahmen und Leerstand mit daraus resultierenden definitiven Ausgaben liegt auf der Hand.


Was kann die Region GießenerLand hier tun, um neue Impulse zu setzen? Zunächst einmal ist es wichtig, die politischen und gesellschaftlichen Entscheider vor Ort von der Notwendigkeit des Leerstandsmanagements, der Verringerung des Flächenverbrauchs und der Attraktivitätssteigerung der ländlichen Ortsteile zu überzeugen. Hierzu wird in den kommenden Monaten die Veranstaltungsreihe Dorfinnenentwicklung durchgeführt.


Daneben wird intensiv an möglichen Formen eines regionalen Leerstandsmanagements gearbeitet. Neben der Erfassung von Leerständen geht es hier auch um eine Beratungsmöglichkeit für Käufer und Verkäufer.


Außerdem entwickelt das Regionalmanagement Modellprojekte, die die Themen Leerstand und fehlende Nahversorgung miteinander kombinieren. So sollen leerstehende Hofreiten eine multifunktionale Rolle erhalten: Einkaufen, Bankgeschäfte erledigen, Briefe aufgeben und noch viel mehr. Der Projektdurchführungsort der ersten Maßnahme soll in den kommenden Monaten durch einen Wettbewerb
ermittelt werden.

 



(März 2010)